Mr. Robot: Eine Hommage an Hacktivismus.

Mr Robot - Elliot Alderson

Seit einigen Wochen gibt es eine neue Serie, die mich und viele andere fasziniert: Mr. Robot.

Elliot Alderson ist ein White Hat Hacker bei Tag und arbeitet für Allsafe Security, die die Evil Corporation beschützen. Er leidet unter “Social Anxiety Disorder”, gleichzeitig hackt er sich nachts in die E-Mail Postfächer und Social Network Profile seiner Kollegen und Bekannten, um sie auszuspionieren und zu beschützen. Zusätzlich verliert er sich in einem immer stärkeren Morphiumrausch.

Unter einem Hoodie Schutz vor der sozialen Außenwelt suchend, strolcht Elliot durch New York und wird von Mr. Robot (Christian Slater) geködert, sich der fsociety anzuschliessen. Einer Untergrundorganisation von Hackern, die der Anonymous Bewegung nachgestellt sind. Bis hin zu den albernen Masken.

Die fsociety hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Evil Corp. zu attackieren, da diese 70% der weltweiten Kredite hält. Das Ziel ist eine gigantische Umverteilung dieser digital gespeicherten Vermögenswerte. Denn, so erzählt Mr. Robot: seit der Entkoppelung vom Goldstandard ist Geld nur noch ein Betriebssystem. Eines, das man hacken kann.

Neben Elliot und Mr. Robot gibt es noch Tyrell. Ebenfalls Hacker. Einer der sich auf der Seite der Bösen eingerichtet hat. Als IT Chef von Evil Corp ist er der Gegenspieler von Elliot und Mr. Robot. Aalglatt und von Anfang an unsympathisch, wie es sein muss.

mrr_christian_gallery_16

Vieles mutet auf den ersten Blick sehr klischeehaft an. Allsafe und Evil Corp als Firmennamen. Die Morphiumsucht von Elliot. Genauso die Eigenbrödlerei, die sozialen Ängste und der Hoodie als Schutz vor der Außenwelt. So stellt man sich Hacker vor.

Dennoch ist die Serie von der ersten Folge an faszinierend. Die Charaktere sind polarisierend und vielschichtig. (Christian Slater ist sowieso eine coole Sau, aber das habe ich schon immer gesagt.)

Sehr gut gemacht ist auch die cineastische Aufmachung der Serie. Die Kameraführung, die eigenwilligen Bildausschnitte und die oft sehr dunkle Ausleuchtung machen sehr viel Spaß beim Zuschauen.

Die Serie überzeugte auch beim SXSW Festival diesen Jahres:

It’s a testament to the blend of cinematic execution that’s invaded episodic narratives in recent years, in combination with the sort of character-centered storytelling that defines the most engaging storytelling. Most importantly, it inspires memories of the 1995 film “Hackers,” in the best possible way. 

Die Serie läuft erst seit Juni 2015 und ist in Deutschland nur über iTunes auf Englisch zu sehen. Da die Folgen  in den USA im Fernsehen auf altmodische Weise ausgestrahlt werden, kann man auch auf iTunes nur 1x pro Woche eine neue Folge herunterladen.

YouTube Preview Image

 

 

Netzauslese: Samwers neuer Fund, Ölpreis Gewinner, die neue Internet-Architektur, BuLi via YouTube

Eine neue Sammlung von Links zu Artikeln, die ich in letzter Zeit interessant fand:

Oliver Samwer sammelt schon wieder Geld ein, das kann er anscheinend wie kein zweiter. Über 1 Milliarde soll der neue Rocket Internet Growth Fund werden. Was noch fehlt, ist eine zweite Erfolgsstory im Stil von Zalando. Da Investoren zur Zeit aber wenig Möglichkeiten haben, ihre Gelder zu investieren, sollte Samwer es nicht schwer haben, diesen Fund zusammen zu sammeln.

 

Apropos Wirtschaft: Der Ölpreis sinkt seit einiger Zeit, und es gibt Gewinner wie auch Verlierer. Grund dafür sind angeblich die lahmende Wirtschaft insbesondere im Großabnehmerland China, aber auch die Weigerung der Saudis, ihre Produktion zurückzufahren. Dadurch herrscht zur Zeit ein Überangebot von 2 Millionen Barrel am Tag. Wer die Bücher von Dirk Müller oder auch “The Grand Chess Board” von Zbigniew Brzezinski gelesen hat, wird nicht umhinkommen einen größeren Plan dahinter zu vermuten. Wie z.B. die gezielte Schwächung der russischen Wirtschaft. Aber das wird vermutlich nie irgendwo offiziell gesagt werden.

 

Im Podcast Six Pixels of Separation interviewed Mitch Joel David Weinberger – Netzvordenker und einer der Autoren des legendären Cluetrain Manifests. Konkret sprechen sie über einen Artikel von David Weinberger mit dem Titel “The Internet That Was (and Still Could Be)” im Atlantic Magazine. Sollte man gelesen haben. Denn es geht darum, dass viele mittlerweile das Internet nicht mehr nutzen, wie es ursprünglich gedacht war, teilweise nicht mal mehr wissen, dass sie das Internet nutzen.

 

FoxSports streamt die Bundesliga über YouTube. Mit einem kleinen Trick kann man sich das sogar hier in Deutschland ansehen. Und via Chromecast lässt sich das auch über einen HD Fernseher genießen. Vielleicht schaue ich diese Saison ja ein wenig mehr Fussi.

 

 

Aus Google wird Alphabet. Sonst ändert sich nichts, oder?

Google LogoEine Meldung, die auf den ersten Blick wie eine typische Unternehmensberater getriebene Umfirmierung aussieht, letztendlich aber mehr Tragweite mit sich bringt, als auf den ersten Blick sichtbar wird: Der Konzern Google wird in Alphabet umbenannt. Das Suchmaschinengeschäft wird eine Tochter von Alphabet – und weiterhin Google heißen. Klingt wirr, ist aber ein schlauer Schachzug.

What is Alphabet? Alphabet is mostly a collection of companies. The largest of which, of course, is Google. This newer Google is a bit slimmed down, with the companies that are pretty far afield of our main Internet products contained in Alphabet instead. What do we mean by far afield? Good examples are our health efforts: Life Sciences (that works on the glucose-sensing contact lens), and Calico (focused on longevity). Fundamentally, we believe this allows us more management scale, as we can run things independently that aren’t very related. (mehr dazu im Googleblog)

Das Webgeschäft von Google hat mit vielen Projekten, die im Konzern laufen, relativ wenig gemeinsam. Google ist eine Cashcow, letztendlich geht es darum, Nutzern die richtigen Inhalte (und Werbeanzeigen) auf Basis von Unmengen von Daten vorzusetzen. Das macht Google seit Jahren sehr erfolgreich und verdient damit viel Geld.

Die anderen Projekte kosten vermutlich viel Geld und erfordern eine ganz andere Expertise, als das Kerngeschäft von Google.

Um diese Projekte fokussierter voranzutreiben, werden eigene CEOs für die neuen Töchterunternehmen engagiert. Gleichzeitig kann jedes Unternehmen mit einer eigenen Marke in seiner Branche glaubwürdiger auftreten, als die Marke “Google” das könnte.

Auch die zukünftige Tochter Google muss sich in Zukunft stark auf ihr Kerngeschäft fokussieren können. Facebook mit “Atlas” und Amazon Advertising arbeiten an Werbemodellen, die dem Google Modell ernsthafte Konkurrenz machen werden, jeder Ansatz auf seine eigene Art und Weise. Kein schlechter Zug, wenn sich Google dieser Problematik fokussierter stellen kann.

Ein weiterer Nebeneffekt, der vielleicht nicht ganz unwichtig ist, wenngleich ich nicht glaube, dass es bei der Entscheidung zur Umstrukturierung eine Rolle gespielt hat: wenn die Marke Alphabet als Holding in den Hintergrund tritt, dann wird die breite Allgemeinheit irgendwann vergessen oder gar nicht erst mitbekommen, welche Konzerne alle in dem Konglomerat stecken und miteinander Daten austauschen können.

Wir dürfen gespannt bleiben, wie die Aktienmärkte diese Strategie bewerten werden. Die erste Reaktion war anscheinend positiv.

 

Netzauslese 09.08.15

Lange nicht mehr gemacht: Eine Liste von Links zu interessanten Artikeln die ich gerade gelesen habe. Hier ist mal wieder eine Netzauslese.

  • Wir sind zu paranoid und glauben zu viel an irgendwelche halbseidenen Verschwörungstheorien. “Der ganz eigene Wahnsinn” auf Zeit Online.
  • Eigentlich geht es uns sehr gut. Dennoch sind wir im internationalen Vergleich am pessimistischsten, was Zuwanderung, TTIP und die Stimmung gegenüber großen Unternehmen angeht. “Die Deutschen sind gefährlich satt” – bei Spiegel Online.
  • Elliot Alderson ist Hacker und begibt sich in die Kreise eine Hackergruppe, die der Anonymous Bewegung ähnelt, um die Verschwörungen großer Konzerne zu stoppen. Ich gebe selten Geld bei iTunes für Serien aus, aber diese scheint es wirklich wert zu sein: Die neue Serie Mr Robot: “Superman im Hoodie” – bei Zeit Online.

 

 

Wenn Behörden Facebook Daten nutzen.

Heute geisterte wieder eine Geschichte durch’s Netz, die fast anmuted wie eine “Urban Legend” – oder sollte man es Digital Legend nennen?

In dieser Geschichte wird eine Abiturientin bei ihrer Einreise in die USA an der Passkontrolle abgewiesen und zurück nach Deutschland geschickt. Der Grund: ein ungültiges Visum. Ungültig deshalb, weil die Beamten aufgrund eines überwachten Facebook Chats zwischen der Abiturientin und ihren Gastgebern in den USA den Verdacht hegen, dass es eigentlich um eine Au Pair Tätigkeit geht, statt eines einfachen Besuches von Freunden und Verwandten.

Das alleine ist eine gruselige Story, aber längst noch nicht verdächtig, eine Urban Legend zu sein. Was mich erstaunt ist die Tatsache, dass es vor vielen Jahren bereits eine ähnliche Geschichte gab. In diesem Fall drehte es sich anscheinend wirklich um ein Au Pair Arrangement, im Gegensatz zur aktuellen Story.

Ob Grenzbehörde der USA wirklich Facebook Chats mitliest, ist nicht weiter bekannt. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Grenzbeamte (bzw. der IT Systeme) in den Datenmengen von Facebook nach Hinweisen auf Visumbetrug suchen. Aber nach den Snowden Enthüllungen muss man wohl mit allem rechnen.

Eine Geschichte, die ebenso eine Digital Legend sein könnte, ist einem Bekannten von mir passiert, weswegen ich sie für “echt” halte. Sie spielt sogar hier in Deutschland. In dieser Geschichte hatte jemand, der bei einer Geschwindigkeitsübertretung geblitzt wurde dies abgestritten und den Strafzettel zurückgeschickt. Die Polizei hat den Fahrer daher anhand eines Vergleichs mit dessen Facebook Fotos einwandfrei identifiziert und den Strafzettel erneut zugesandt – dieses Mal mit den Facebook Fotos im Anhang.

Wir werden es vielleicht irgendwann bereuen, so viel über uns selbst freiwillig preisgegeben zu haben. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommt übrigens auch der Autor des Artikels “Warum ich manchmal doch Angst um die Zukunft meiner Daten habe“. Sehr lesenswert.

 

 

Google’s neue Datenschutzoption macht das Web besser und schlechter zugleich.

Google kommt dem Verlangen nach mehr Datenschutz nach. Nutzer können jetzt sehr einfach an einem zentralen Punkt diverse Einstellungen vornehmen, um das eigene Surfverhalten zu schützen. Das Speichern der Sucheingaben z.B. oder welche YouTube Videos ein Nutzer schaut.

Das ist für den Datenschutz gut. So werden weniger Verhaltensdaten gespeichert, Google wird es schwerer haben, Daten zu sammeln und damit Profile zu bilden. Insbesondere in Deutschland werden mit Sicherheit viele diese Option wahrnehmen. So haben viele Deutschen doch schon vor 5 Jahren ihre Häuser in Google Streetview verpixeln lassen.

All diese Möglichkeiten zur verbesserten informationellen Selbstbestimmung sind ein guter Schritt im Sinne des Grundgesetzes und der Datenangst der Deutschen. Ein Aspekt sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden: das Web kann dadurch auch schlechter werden.

Online Werbung ist zur Zeit ein wesentlicher Faktor in der Finanzierung vieler bis dato kostenfreier Angebote im Web. Man mag Werbung lästig finden, aber ich vermute mal, viele Nutzer akzeptieren lieber etwas Online Werbung, statt dass sie auf jeder Website erneut für Content zahlen müssen.

Diese Werbung wird durch die Sammlung von Daten zum Surfverhalten und den daraus zu schliessenden Demografischen und Interessensdaten sehr viel besser für den einzelnen Nutzer. Wenn schon Werbung, dann doch am besten Werbung, die auf mich persönlich zugeschnitten ist, die für mich relevant ist, oder nicht?

Diesen Aspekt vergessen die meisten. Sie schimpfen über lästige, nervige Werbung, wollen aber für den Content weder mit Cash noch mit Daten bezahlen. Aber so wird das Web langfristig nicht funktionieren. “You can’t have your cake and eat it at the same time”, wie der Engländer sagt.

 

 

Das A-Z Video von YouTube #HappyBirthdayYouTube

YouTube hat zu seinem 10-jährigen Bestehen ein Video mit den absoluten Highlights veröffentlicht. Zugegeben, ich kenne nicht alles, aber doch das meiste. Ach ja, irgendwann zwischendrin wird man dann noch ge-RickRolled :)

 

YouTube Preview Image