Juli 29, 2010

Der Mehrwert der aktuellen “Beziehungsinflation”

Eine interessante Diskussion zwischen Thomas Knüwer und Umair Hague – der dieser Diskussion vermutlich nicht folgen kann, denn Herr Knüwer schreibt ja auf Deutsch.

Wie viele Facebook Freunde habt ihr? Mehr als 130 (denn dass ist der Durchschnitt)? Kennt ihr alle persönlich, sind das wirklich Freunde? Oder auch (Ex-) Kollegen, alte, fast vergessene Schulkameraden – und dann noch der nervige Typ von der Party neulich, den ihr nicht ablehnen könnt, weil er gut mit eurem besten Freund befreundet ist (der wiederum noch gar kein Facebook Profil hat)?

Dazu noch Follower auf Twitter, Kontakte auf YouTube, MySpace, Xing, Linkedin – es gibt ja fast keine Grenzen, wie viele Freundeskreisnetzwerke man sich aufbauen kann. Auch wenn die Kontaktlisten teilweise überlappen.

Die Frage, die jetzt an einigen Orten im Web gestellt wird, ist die nach der Qualität dieser Kontakte. Umair Haque nennt das eine Relationshop Inflation, was ich einen sehr schönen Ausdruck dafür finde:

Today, “social” media is trading in low-quality connections — linkages that are unlikely to yield meaningful, lasting relationships. Call it relationship inflation. Nominally, you have a lot more relationships — but in reality, few, if any, are actually valuable. Just as currency inflation debases money, so social inflation debases relationships. The very word “relationship” is being cheapened. It used to mean someone you could count on. Today, it means someone you can swap bits with. (Umair Haque – the social media bubble.)

Das klingt erstmal so, als wäre das ein Drama. Wäre es ja auch, wenn es um alle Beziehungen ginge.

In einer Welt Kompakt Werbung wurde das sehr schön ausgedrückt: “Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.” Das ist natürlich verkehrt herum gedacht. Aber im Prinzip stimmt es.

Unser Beziehungssystem ändert sich. Die engen Freunde werden immer bleiben, die sollten wir auch weiterhin so nennen und die Beziehungen (offline!) pflegen. Wer diese Freunde von den im Folgenden genannten nicht trennen kann, der sollte sein “Social Media” besser ganz abschalten.

Dazu kommen all die lockeren Bekannten, die man nur 1x pro Jahr auf Parties oder Konferenzen und Barcamps sieht, mit denen man ab und zu mal zusammenarbeitet, etc. Kontakte, die man vor 15 Jahren noch nicht richtig pflegen konnte, weil die Beziehung zu lose für einen konstanten “Ping” in Form kurzer Messages, Anstubsen/gruscheln, “gefällt mir”s und ähnlichen “hallo ich bin noch da” Bekundungen war. Kontakte, die heute und in Zukunft aufgrund dieser neuen Möglichkeiten das Leben bereichern werden.

Denn da bin ich ganz bei Herrn Knüwer, der beschreibt, wie diese lockeren Kontakte dennoch in der Offline Welt relevant werden können:

Denn auch schwache Verbindungen können dafür sorgen, dass Menschen füreinander etwas tun. Das kann bei schnöder Unterhaltung anfangen: Man ist in einer Stadt und schaut mal, wen man dort auch nur flüchtig kennt. Ergebnis: ein Abend Zerstreuung. Informationen lassen sich auch leichter beschaffen: Wer ein Problem hat, findet via Twitter oft Hilfe. Die neuen Verbindungen verändern etwas. Wir sind bereit, uns aktivieren zu lassen. Wir setzen uns ein für Menschen, denen wir uns aus welchen Gründen auch immer nahe fühlen.

Selbst wenn das nicht klappt: Ich habe zur Zeit etwas über 530 Kontakte auf Facebook, ein paar meiner engsten Freunde sind noch nicht mal dabei, weil sie Facebook verweigern. Aber bei diesen 530 Kontakten sind ganz viele Ex-Kollegen, alte Schulkameraden, Studienkollegen, etc. dabei, von denen ich einfach gerne hin und wieder lese, was sie zur Zeit bewegt.

(Und wenn ich nach 10 Jahren mal wieder nach Schottland zurückfahre, dann kann ich meine alten Studienkollegen dort relativ schnell wieder aktivieren, weil ich die Jahre über einen konstanten “Ping” mit ihnen hatte.)

Juli 29, 2010

Vom Dub zum Dubstep

Ich liebe Dub Musik, insbesondere alles vom altbekannten Trojan Label: King Tubby, Lee “Scratch” Perry, die Skatalites, die Upsetters, die Aggrevators, Tappa Zukie, etc.

Dubstep klingt für einen Dub Liebhaber daher nach einer interessanten experimentellen Musikrichtung, die anscheinend Dub mit Dancehall und langezogenen wummernden Bässen vermischt. Aber je mehr ich davon höre, desto weniger überzeugt mich Dubstep.

Aber hört und seht selbst:

(Video via Blogrebellen)

Juli 25, 2010

A Supermarket in California Dub

Neulich habe ich bereits dazu getwittert, aber irgendwie habe ich vergessen, das auch in diesem Blog zu verewigen: ich liebe “User Generated Content”, wenn es qualitativ hochwertige, experimentelle Dinge wie z.B. dieses Video betrifft – eine musikalische Umsetzung eines Textes von Allen Ginsberg:

Beat Regeneration is an Ale Canaglia project dedicated to all the beatniks.
Original music composed by Ale Canaglia

Einfach großartige Idee und Umsetzung, ein echtes Netzfundstück. Ale Canaglia hat noch weitere Personen und deren Texte aus der Beat Generation in dieser Form umgesetzt, das findet Ihr alles hier in seinem YouTube Channel.

Juli 24, 2010

Die Suche nach dem Off.

Ein sehr interessantes Thema in einem Artikel der Frankfurter Rundschau mit dem Titel “Ein Lob der Funkstille”: Können wir heutzutage eigentlich noch für längere Zeiträume Offline gehen, so richtig ohne Internet und Handy?

Anlaß ist das Buch “ohne Netz” von Alex Rühle, der 6 Monate ohne Internet, E-Mail und Smartphone verbracht hat, bzw. ein Buch von Christoph Koch mit dem Titel “ich bin dann mal offline” – Koch hat das Offline Leben allerdings nur einen Monat durchgehalten. Auch der Spiegel titelte letzte Woche zu dem Thema: “ich bin dann mal off”. Ich würde noch nicht mal eine Woche durchhalten, glaube ich. (Versucht habe ich das noch nicht, ich war seit den 90er Jahren keine 5 Tage hintereinander komplett offline.)

Scheint ein wachsendes Bedüfrnis zu sein. Jetzt, wo fast drei Viertel aller Deutschen online sind, ist die kritische Masse für einen Gegentrend erreicht. Steht zumindest in dem Artikel. Ich kann das nicht so recht glauben, denn ein Leben Offline ist viel zu mühselig, als das Menschen das langfristig durchhalten könnten. Auch wenn wir früher so gelebt haben – die Gesellschaft und ihre Ansprüche an eine konstante Verfügbarkeit von Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten machen solch ein Leben heutzutage sehr schwer. Selbst im Urlaub gehen viele ab und an in Internetcafés um Mails zu checken.

Das scheint auch der Tenor in den Büchern zu sein: Schilderungen mühseliger Arbeitsprozesse, Chefs und Kunden, denen das Projekt vorsichtig erklärt werden musste, etc.

Das Gegenargument ist natürlich, dass der Offliner konzentrierter arbeiten kann und mehr bei der Sache ist,

Schließlich ist es der Digital- Süchtige, der nur allzu gern ins Netz zu lustigen Youtube-Filmchen abschweift, Kommentare postet und die Zeit mit Surfen vertut, statt konzentriert zu arbeiten und “kraftvoll durch die Zeit zu kraulen”

Schön formuliert!

Ein paar Zitate aus dem Beitrag sind allerdings etwas überzogen, wie z.B. die folgenden beiden Sätze:

Es werfe jener den ersten Stein, der noch nie aufs Klo verschwunden ist, um auf dem Handy kurz SMS oder E-Mails zu checken.

46 Prozent der erwachsenen Frauen, zitiert Christoph Koch eine Studie, würden eher zwei Wochen lang auf Sex als zwei Wochen lang auf das Internet verzichten. Bei den Männern sind es nur 30 Prozent.

Um die erwähnten Bücher zu lesen, muss man übrigens mal für ein paar Stunden Offline gehen. Vielleicht ist das ja mal ein guter Anfang?

Juli 23, 2010

Tron Trailer – muss man ansehen!

OK, echter Nerd-Kram. Aber ich glaube, den Film werde ich mir ansehen. Zumal der auch in 3D erscheinen wird:

Juli 22, 2010

Unglaublich realistische Computersimulationen

Mit dem Lagoa Multiphysics 1.0 Simulationsprogramm kann man anscheinend Simulationen von fast jedem Material anfertigen. Sieht unglaublich aus:

Lagoa Multiphysics 1.0 – Teaser from Thiago Costa on Vimeo.

(gefunden bei brandflakes)

Juli 20, 2010

Aufschieberitis – wer kennt’s nicht?

Kenn ich:

Juli 19, 2010

Sommer, Sonne, Strand, Scharbeutz

Scharbeutz hat in den letzten Jahren einiges getan, um der zunehmenden Konkurrenz an attraktiven Ostseebädern etwas entgegen zusetzen.

So wurde z.B. die gesamte Dünenanlage und Promenade neugemacht, die Cafés direkt an der Promenade sind jetzt viel attraktiver und der “Beachclub” direkt am Steg läd zum gemütlichen Chillen ein.

Was allerdings bleibt – das ist aber vermutlich in der gesamten Lübecker Bucht überall dasselbe, ist eine unglaubliche Dichte an Touristen gerade jetzt im Sommer, wenn alle Ferien haben. Und das ist auch der Grund für diesen Beitrag. Denn Sonntag war ich in Scharbeutz und konnte mich selbst davon überzeugen und dieses Foto machen:

Strand Scharbeutz

Wer sich übrigens täglich über Wetter und Wellengang in Scharbeutz informieren will, findet hier die Webcams von Scharbeutz. Tagsüber kann man hier auch die Wakeboard Anlage sehen. Es gibt sogar eine Unterwasserkamera – wozu auch immer.

Juni 26, 2010

Das iPhone 4 “Blends”

Seit Donnerstag morgen, ca. 8 Uhr, bin ich stolzer Besitzer des neuen iPhone 4. Das Produkt ist fantastisch, allerdings möchte ich hier keine Produktrezension schreiben, das können Sites wie Engadget deutlich besser. Aber es gefällt, so viel ist sicher!

Ob es tatsächlich so zerbrechlich ist, wie erste Nutzertests zeigen, kann ich noch nicht einschätzen (gottseidank!).

Aber sicher ist: “it blends”. Blendtec hat wieder mal ein gerade erst erschienenes Apple Produkt im Blender zerschreddert.

Interessant auch: Blendtec hat anscheinend eine Kooperation mit Apple und/oder AT&T, denn sie rufen jetzt Nutzer im Rahmen eines Gewinnspiels auf, ihre Handys einzuschicken, um sie schreddern zu lassen. Zu gewinnen gibt es iPhones mit Vertrag.

Juni 19, 2010

Das iPhone Video, das nicht gezeigt werden durfte.

Anscheinend gab es bei Apple mehrere Videos, dieses hier hat das Rennen allerdings nicht gemacht:

Juni 10, 2010

Deepwater Basejump

Unglaublich, einfach faszinierend, dieses Video. Guillaume Nery, Freediver, zeigt einen Basejump in ein 200 Meter tiefes Loch. Bitte in HD und Fullscreen ansehen, sowie den Sound an und die Musik genießen!

Man sieht schon, dass es mehrere Einstellungen sind, in seinem YouTube Profil schreibt Nery dann auch, dass das nicht in einem Take gedreht worden ist, und dass er auch Hilfsmittel gehabt hat:

To clarify: this movie is A FICTION AND AN ARTISTIC PROJECT. I don’t claim to have reached the bottom of the hole (202m) without rope and fins, as the world record in no-fins discipline is 95m..
We made this movie to show another approach in freediving videos.
We wanted to express the strenght of the elements water-earth-air and the sensations of freedom, harmony, exploration.

Einfach faszinierend.

Juni 2, 2010

Faszinierend: animierte optische Täuschungen

Mai 12, 2010

Chatroulette Missbrauch: Selbstmord als Kunst?

Chatroulette ist nichts für schwache Nerven. Zumindest nicht, seit dem der erste Hype abgeklungen ist und jetzt hinter jeden 3. Webcam Spanner, Exhibitionisten, Freaks, oder Selbstmord-Aktionskünstler sitzen.

Wie z.B. Franco Mattes, der es anscheinend ganz lustig fand, sich als hängende Leiche bei Chatroulette zu präsentieren und die Reaktionen der Zuschauer mitzuschneiden. Die Reaktionen sind teilweise beängstigend teilnahmslos.

Dann wiederum der Gedanke: bei Chatroulette stumpft man sowieso ab, wenn man es denn schafft, den Quatsch mehr als nur drei “next”-Klicks tief mitzuverfolgen. Außerdem ist der Reiz bei Chatroulette die komplette Anonymität – man kann noch nicht einmal abschätzen, auf welchem Kontinent sich die Webcam gegenüber befindet. Kein Wunder also, dass nur einer von insgesamt ca. 1.000 Chatroulettern des Videos die Polizei angerufen hat – was hätte man der Polizei auch erzählen sollen?

Aber seht selbst:

No Fun – Eva and Franco Mattes from Franco Mattes on Vimeo.

Mai 12, 2010

iPhone 4G – dieses Mal in Vietnam aufgetaucht.

In dem Video kann man leider nicht sehr viel verstehen, weil das iPhone auf vietnamesisch präsentiert wird , aber dafür sieht man das iPhone von allen Seiten:

Wer noch mehr Bilder sehen will, kann das auf engadget.com, dort ist eine reichhaltige Bildergalerie – auch von dem neuen Apple Prozessor, der in dem neuen iPhone anscheinend verwendet wird.

Mai 4, 2010

Die Welt ist nicht genug: der Kampf ums Netz

Ein sehr langer aber interessanter Artikel im Manager-Magazin Online über den Kampf ums Netz, den insbesondere Google, Microsoft und Apple ausfechten.
Die einen haben einen geschlossenen aber sehr erfolgreichen Kosmos und können der Content Industrie wie auch Telekommunikationsunternehmen ihre Bedingungen aufdrücken (Apple).
Die anderen haben einen Weg gefunden über die Cashcow erfolgreicher LongTail Werbevermarktung Kostenlosprodukte quer zu subventionieren (Google), sodass die letzten langsam nachziehen und sogar einen Basis MS Office Version ins Netz stellen wollen (Microsoft).
Andere Unternehmen (leider vor allem europäische) scheinen den Zug komplett zu verschlafen, sodass sie von den amerikanischen Unternehmen regelrecht vergoogelt und verappelt werden.

Etwa 7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung dürften durch Google, Apple und Konsorten massiv unter Druck geraten, schätzt die Unternehmensberatung Arthur D. Little. In einzelnen Branchen wie der Telekommunikation und der Musikindustrie droht im Extremfall ein Rückgang der Umsätze um 20 Prozent pro Jahr, nicht ausschließlich, aber zu einem großen Teil verursacht durchs Internet.

Dabei sind den Wachstumsambitionen der Unternehmen kaum Grenzen gesetzt. Apple hat sich von einem Computerhersteller zu einem Unternehmen gewandelt, das im Smartphone-Markt dominiert, und das innerhalb weniger Jahre. Gleichzeitig kontrollieren sie große Teile des digitalen Musikmarktes und könnten das in Kürze auch im Büchermarkt anhand des iPads und des neuen iBook Store erreichen. Über Apple TV können User bereits alle möglichen Filme und Serien anschauen, sodass sogar Sky heftig durchatmet.

Google hingegen wird im Silicon Valley zum eigenen Stromanbieter und ist drauf und dran, auch ein Mobilfunknetz aufzubauen. Digitalisierte Bücher kann man bereits einsehen. Der Verkauf von eBooks soll im Sommer starten. Google TV wird angeblich noch im Mai präsentiert, man kann sich dann eine von Google gepowerte Setop Box auf den Fernseher stellen. Über das Android Smartphone Betriebssystem und dem noch kleinen angeschlossenen App-Store will Google ebenfalls in diesen Markt, allerdings mit einer wesentlich offeneren Plattform.

Die nächsten ca. 5 Jahre werden noch sehr spannend, schätze ich, da sich in diesem Zeitraum einiges entscheiden und aus-mendeln sollte. Sicher scheint aber auf jeden Fall schon jetzt: die großen Gewinner des digitalen Zeitalters sind nicht in Europa zu finden.