Google’s neue Datenschutzoption macht das Web besser und schlechter zugleich.

Google kommt dem Verlangen nach mehr Datenschutz nach. Nutzer können jetzt sehr einfach an einem zentralen Punkt diverse Einstellungen vornehmen, um das eigene Surfverhalten zu schützen. Das Speichern der Sucheingaben z.B. oder welche YouTube Videos ein Nutzer schaut.

Das ist für den Datenschutz gut. So werden weniger Verhaltensdaten gespeichert, Google wird es schwerer haben, Daten zu sammeln und damit Profile zu bilden. Insbesondere in Deutschland werden mit Sicherheit viele diese Option wahrnehmen. So haben viele Deutschen doch schon vor 5 Jahren ihre Häuser in Google Streetview verpixeln lassen.

All diese Möglichkeiten zur verbesserten informationellen Selbstbestimmung sind ein guter Schritt im Sinne des Grundgesetzes und der Datenangst der Deutschen. Ein Aspekt sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden: das Web kann dadurch auch schlechter werden.

Online Werbung ist zur Zeit ein wesentlicher Faktor in der Finanzierung vieler bis dato kostenfreier Angebote im Web. Man mag Werbung lästig finden, aber ich vermute mal, viele Nutzer akzeptieren lieber etwas Online Werbung, statt dass sie auf jeder Website erneut für Content zahlen müssen.

Diese Werbung wird durch die Sammlung von Daten zum Surfverhalten und den daraus zu schliessenden Demografischen und Interessensdaten sehr viel besser für den einzelnen Nutzer. Wenn schon Werbung, dann doch am besten Werbung, die auf mich persönlich zugeschnitten ist, die für mich relevant ist, oder nicht?

Diesen Aspekt vergessen die meisten. Sie schimpfen über lästige, nervige Werbung, wollen aber für den Content weder mit Cash noch mit Daten bezahlen. Aber so wird das Web langfristig nicht funktionieren. “You can’t have your cake and eat it at the same time”, wie der Engländer sagt.

 

 

Das A-Z Video von YouTube #HappyBirthdayYouTube

YouTube hat zu seinem 10-jährigen Bestehen ein Video mit den absoluten Highlights veröffentlicht. Zugegeben, ich kenne nicht alles, aber doch das meiste. Ach ja, irgendwann zwischendrin wird man dann noch ge-RickRolled :)

 

YouTube Preview Image

 

 

Eine Gefahr für die Netzneutralität: “Die Bombe”

Das Geschäftsmodel von Adblock Plus wurde bereits als “Internetwegelagerei” bezeichnet. Ein von Nutzern installierter Filter, der fast jegliche Online Werbung ausblendet – und nur gegen Bezahlung wieder eingeblendet wird.

Die aktuelle Initiative einiger Telekom Unternehmen führt allerdings noch sehr viel weiter. Ein Projekt mit dem internen Namen “Die Bombe” soll sämtliche Werbung auf mobilen Endgeräten ausblenden. Ähnlich wie bei Adblock Plus soll es Unternehmen wie z.B. Google möglich sein, durch Zahlung einer noch nicht näher definierten Summe die Werbung wieder einblenden zu lassen.

Der Auslöser für diese Initiative ist das Argument, dass Anbieter wie Google die Infrastruktur nutzen, um mit Werbung Geld zu verdienen – sich aber nicht an den Kosten für diese Infrastruktur beteiligen.

Die teilnehmenden Mobilfunkanbieter wollen auf diesem Weg vor allem Google dazu bewegen, sich wieder mit an den Verhandlungstisch zu setzen und doch nochmal darüber nachzudenken, ob man nicht Teile der Werbeeinnahmen abgeben möchte. (Quelle)

Das klingt wie Erpressung. Zahl uns Geld, oder wir schalten dir deine Einnahmequelle ab, Google?

Mit diesem Schritt wäre die Netzneutralität wieder einmal gefährdet. Die Initiative wird allerdings mehr Verlierer haben, als nur die Unternehmen, die Werbung vermitteln. Denn Google schaltet die Werbung nur, dahinter stecken weitere Stakeholder, die von Online Werbung profitierten:

  • Website Betreiber, die mit Werbung Geld verdienen. Insbesondere viele Nischenangebote, die auf Online Werbung angewiesen sind.
  • Nutzer, die Websites besuchen, die aufgrund solcher Werbung kostenlos bleiben können.
  • Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell stark auf Online Werbung angewiesen sind.

Auf die ersten beiden Punkte wird in vielen Blogs hinlänglich eingegangen. Der dritte Punkt ist allerdings ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Aufgrund meines eigenen kleinen Online Shops – dem Vanille Shop – weiss ich sehr gut, was mich diese Initiative kosten könnte: schlimmstenfalls ca. 23% meines Traffics stammt aus Google AdWords. Das wäre für meinen kleinen Online Shop ein ziemlich herber Verlust. Und das nur, weil die Telekom Unternehmen die Hals nicht voll genug bekommen können. Wird die Infrastruktur nicht bereits von den Nutzern mitbezahlt, die ihren DSL-Anschluss teuer bezahlen?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Infratstruktur wie das Internet in staatliche Hände gehört (wie z.B. das Straßennetz), oder zumindest sehr starkt reguliert werden sollte!

 

 

Der Überwachungsstaat kommt schleichend.

Der Überwachungsstaat kommt schleichend daher, aus lauter einzelnen kleinen Entscheidungen oder technologischen Forstschritten setzt er sich langsam zusammen. Manchmal auch aus zwei ursprünglich unabhängig getroffenen Entscheidungen.

 

Zwei Beispiele dazu sind mir heute ins Auge gefallen:

 

Der überwachte Autofahrer (Zeit.de):
Ab Frühjahr 2018 wird jeder Neuwagen per Gesetz eine eingebaute SIM-Karte haben. Diese SIM-Karte ist eigentlich für das eCall Notruf System gedacht und sicherlich im Prinzip sehr sinnvoll. Wie der Artikel allerdings weiter beschreibt, ist diese Einführung im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung und den Plänen der Automobilhersteller eine zweischneidige Sache.

Denn während die SIM-Karte nur im Notfall eine Datenverbindung herstellen wird, planen die Automobilhersteller die kontinuierliche Datennutzung für diverse Bordsysteme. Diese Datennutzung wiederum wird aufgrund des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung 4 Wochen lang gespeichert. Vermutlich inklusive genauer Ortsdaten. Ob die SIM-Karte auch bei normaler Datennutzung (sprich außer Notrufe und Navi-Nutzung) immer Ortsdaten mitsendet, ist mir nicht ganz klar und wird in dem oben verlinkten Artikel einfach so vorausgesetzt.

Bei allen Neuwagen, für die ab 2018 die Verbindung von SIM-Karte und kontinuierliche Datennutzung zutrifft, ergibt sich somit die Möglichkeit sehr genaue Bewegungsdaten zu erstellen. Inwiefern der Fahrer die Übermittlung der Ortsdaten unterbinden kann, ist sicherlich je Fahrzeugmodel unterschiedlich.

 

Überwachung des Ausgaben- und Einkaufsverhaltens (rolandtichy.de):
Angeblich wird gerade darüber diskutiert, Bargeld abzuschaffen. Das hat mehrere Vorteile. Allen voran werden Verbrechen (Raub, Drogenhandel etc.) sowie Schwarzmarktgeschäfte (Dienstleistungen ohne Rechnung) erschwert. Außerdem lassen sich Negativzinsen durchsetzen, da niemand mehr sein “Geld” in irgendeiner haptischen Form in Sicherheit bringen kann. Außer er kauf dafür Edelmetalle. Aber auch das wird in größeren Mengen registriert.

Daraus ergibt sich aber auch, dass sich das Ausgabeverhalten der Bürger lückenlos nachvollziehen lässt. Mit einer Genauigkeit, die zumindest die Nachverfolgung der Ausgaben-Orte ermöglicht. Meist lässt sich dadurch aber auch nachvollziehen, wofür jemand sein Geld ausgegeben hat, insbesondere, wenn das Produkt- oder Service-Portfolio eines Ausgaben-Ortes eindeutig ist.

Es wird viele Interessenten für diese Daten geben, teils für aggregierte Datensätze (z.B. Marktforschungen), zum anderen aber auch für individuelle Datensätze (z.B. Krankenkassen, bzw. Versicherungen allgemein).

 

Die reine Sammlung dieser Daten ist in beiden Fällen “eigentlich” kein Problem. Aber wenn die Daten erstmal vorliegen, dann wird es immer wieder Bestrebungen geben, Zugriff auf diese Daten zu erlangen. Und wie oft hat sich die Politik schon von Lobbyisten weichklopfen lassen?

 

 

Ein Stück Internetgeschichte: das erste YouTube Video

YouTube wurde gestern 10 Jahre alt (dazu herzlichen Glückwunsch nachträglich!).

Das erste Video ist so belanglos wie vermutlich der meiste Content, der in den darauffolgenden Jahren veröffentlicht wurde. Es dauerte noch ein wenig, bis richtige YouTube-Formate kreiert und mehr oder weniger aufwändig produziert wurden.

Das ist das erste Video, com 23.04.2005:

 

YouTube Preview Image

 

Der Rest ist Geschichte. YouTube hat die (Online-) Bewegtbild-Welt nachhaltig verändert!

 

 

Fast schon Science Fiction: 700 Terabyte in einem Gramm DNA.

Micah's DNAFast schon wie in einem Science Fiction Film: in naher Zukunft wird es möglich sein, gigantische Datenmengen in einem Krümel DNA unter einem Fingernagel zu verstecken. Oder einem einzigen falschen Haar.

In Harvard ist es jetzt gelungen, 700 Terabyte an Daten in 1 Gramm DNA zu speichern.

Man kann, so steht’s in dem Artikel, sämtliche Daten der Menschheit (sogar alle Katzenbilder) in ein paar hundert Kilo DNA speichern.

Gelesen wird die DNA genauso, wie man auch bisher DNA entschlüsselt. Das Verfahren ist in den letzten Jahren so effizient geworden, dass man auch längere DNA Sequenzen innerhalb weniger Stunden entschlüsseln kann – und nicht wie früher innerhalb einiger Wochen.

Dabei funktionieren die einzelnen DNA Stränge ähnlich wie die Datenpakete, die per TCP/IP über das Internet geschickt werden: Jeder DNA Strang hat einen 19-bit Adressen-Block am Anfang, sodass die Daten der einzelnen DNA Stränge schnell wieder zusammengepuzzelt werden können.

Wie das genau funktioniert steht in diesem Artikel.

Was mich an dieser Nachricht am meisten fasziniert sind die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Mein Science Fiction Gehirn dreht gerade völlig frei:

  • Man kann sämtliche Informationen der Welt in ein paar Kilo DNA verstecken. Zum Beispiel in einer Kühltruhe im Keller. Oder verbuddelt im Hintergarten.
  • Gutgesinnte Agenten oder bösartige Terroristen können diese Informationen in eine Frühstücksdose über sämtliche Grenzen schmuggeln.
  • Datendealer können sich als Gemüseläden tarnen.
  • Jeder Mensch kann ein komplettes persönliches Datenbackup unterm Fingernagel verstecken.
  • Während andere Datenträger vermutlich nach einiger Zeit den Geist aufgeben, wird man noch in tausenden von Jahren die Daten aus der DNA auslesen können. Wenn man dann noch den Schlüssel dazu weiss.
  • Es könnten sich jetzt schon in der DNA verschiedener Lebewesen die Daten aus der Vergangenheit befinden, z.B. damaliger Aliens (OK, Erich von Däniken lässt grüßen…).

Ich fand ja schon die Idee von Tesafilm als Datenspeicher faszinierend. Aber der Gedanke, solche Mengen an Daten in winzigen DNA Strängen zu speichern, ist einfach unglaublich.

Hier ist noch ein Video zum Thema:

 

 

Foto von flickr, CC lizensiert)

 

Ist Deutschland an der Euro Misere schuld?

Deutschland hat einen jährlichen Exportüberschuss von über 200 Milliarden Euro. In den letzten 15 Jahren ist so ein Leistungsbilanzüberschuss von 2 Billionen Euro zusammengekommen.

Das ist, wie gesagt, ein Überschuss. Deutschland hat im Wert von 2 Billionen mehr an andere Länder verkauft, als es selbst importiert hat.

Andere Länder haben im Zweifelsfall Schulden aufnehmen müssen, um diese Waren von Deutschland zu kaufen. Somit ist Deutschland an der Europäischen Misere mitschuldig. Leider sehen das viele der verantwortlichen Politiker nicht.

Jetzt, wo Draghi den Euro abwertet, wird es zwar für die kleineren Länder einfacher, ihre Exporte zu steigern – aber auch Deutschland wird mehr einnehmen. Die deutschen Exportüberschüsse werden also noch größer werden, steht hier.

Deutschland muss also über mehrere Jahre ein Leistungsbilanzdefizit einfahren, damit die anderen Länder die Möglichkeit haben, ihr Defizit, ihre Schulden gegenüber Deutschland abzubauen.

Was mich an der Diskussion stört: es wird nicht darauf eingegangen, ob die 2 Billionen Exportüberschüsse durch Exporte nach Europa oder sogar weltweit entstanden sind? Wie viele Euros von den jährlichen 200 Milliarden steigern wirklich die Schulden der Euro-Länder, und welcher Anteil entsteht durch Exporte in Länder anderer Kontinente?

Auch die Euro-Abwertung ist nicht wirklich differenziert betrachtet: die Euro-Länder werden die Euro-Abwertung im Zweifelsfall nicht durch billigere deutsche Produkte wahrnehmen – die deutschen Waren werden für Griechen und Italiener gleich billig oder teuer bleiben. Lediglich die Importe werden teurer. Dadurch kann es sich natürlich ergeben, dass bislang importierte Güter durch deutsche Produkte ersetzt werden. Aber wie hoch wird der Anteil wirklich sein?

Die zu erwartenden Steigerungen deutscher Exporte aufgrund des günstigen Euro werden viel eher durch Exporte in Länder anderer Währungsräume entstehen.

Sehr interessant finde ich die Idee vom neuen Griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, der eine alte Keynesianische Idee wiederbeleben will: ein globaler Überschuss-Umwälz-Mechanismus. Eine Art Transfer-Union, bei der z.B. Deutschland ab einer bestimmten Summe Zinsen auf seine Überschüsse zahlen muss.