Unterbrechungen und der ideale Flow.
By Roland Hachmann in Digitales Leben, Im Netz gefischt | 0 comments
In der Zeit vom 9. November war ein interessanter Artikel über den “Fluch der Unterbrechung. Etwas, was ich selbst im Job ständig feststellen muss:
Elf Minuten. So lange kann sich den einschlägigen Studien zufolge der durchschnittliche Büroarbeiter mit einem Thema beschäftigen, bevor er unterbrochen wird.
Somit wird man in einer Stunde fast 6 mal unterbrochen, pro Tag 40-50 mal. Zumindest, wenn man direkt nach der Unterbrechung mit dem weitermachen würde, was man eigentlich vor hatte. Aber so ist es wohl nicht:
Nach jeder Unterbrechung, so fand sie heraus, wendet sich der Büroarbeiter im Durchschnitt mindestens zwei anderen Aufgaben zu, bevor er zur ursprünglichen Tätigkeit zurückkehrt – etwa 25 Minuten später. [...] Bis der moderne Held der Arbeit wieder die Konzentration erreicht hat, die er vor der Unterbrechung hatte, vergehen rund acht Minuten. Bleiben noch drei Minuten effektive Arbeitszeit bis zur nächsten Unterbrechung.
Ich hatte mal gehört, dass man 15 Minuten braucht, bis man wieder die volle Konzentration hat. Aber 8 Minuten ist auch nicht besser. Und anscheinend ist man teilweise selbst schuld:
Der durchschnittliche Büroarbeiter unterbricht sich selbst genau so oft, wie er von außen unterbrochen wird. Es ist eine Art vorauseilende Unterbrechung, vielleicht auch schon eine Verfallserscheinung. Je länger man sich in den letzten Minuten konzentriert hat, desto größer aller Erfahrung nach die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Moment unterbrochen zu werden. Wer sich schon minutenlang mit Aufgabe A beschäftigt hat, fragt sich bald, ob er sich jetzt nicht so langsam mal um B und C kümmern sollte.
Wir haben uns somit selbst zu Menschen mit Aufmerksamkeitsschwächen erzogen. Die neuen Kommunikationsmittel (E-Mail, Blackberry) und Medienangebote (angefangen bei MTV, bis hin zu YouTube) konditionieren uns dazu, unser Aufmerksamkeit in Minutenintervalle zu zerstückeln. Auch Blogs helfen da nicht wirklich weiter, denn das sind ja auch nur Informationshäppchen. Schlimmer noch, wenn man sich durch mehrere Blogs durchklicken muss, um die gesamte Story zu erfassen, weil jeder nur auf den nächsten verweist. Und ganz schlimm ist man dran, wenn man feststellen kann, dass man längere Blogposts nicht mehr liest (oder lediglich für später bookmarked), weil man ja keine Zeit hat, in diesem Moment. Warten ja noch so viele andere spannende (oder dringende) Dinge.
Das Hirn unseres Helden ist längst darauf konditioniert, sich nur vorläufig auf die Dinge einzulassen, größere Gedankenbögen gar nicht erst zu versuchen – und das Speichern so weit wie möglich dem Computer zu überlassen.
Die Lösung? Angeblich wird daran gearbeitet, dass Computer erkennen, wann wir aufnahmebereit sind und wann nicht. Aber dann verlieren wir unsere Selbstständigkeit und das kann die Sache eigentlich nur schlimmer machen. Aussedem sind wir auf die Intelligenz der Computer angewiesen. Darauf möchte ich mich aber nicht verlassen müssen.
Übrigens hier ist noch ein Artikel zu dem Thema. Denn der Zustand, den wir laut der Studie für ca. 3 Minuten geniessen dürfen, nennt sich Flow. Aus gleicher Quelle ein Tipp, wie man diesen Zustand erreichen kann.
Das Schreiben dieses Posts habe ich übrigens nur 3 mal unterbrochen. Jedes mal war ich selbst schuld.
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