Februar 26, 2007

Blogs und Identifikationsfiguren.

Frank Huber macht sich - wie so viele in letzter Zeit - Gedanken darüber, warum die Blogs in Deutschland so hinterherhinken:

Jede erfolgreiche Bewegung, jedes erfolgreiche Unternehmen, jeder erfolgreiche Hollywood-Film hat eine Identifikationsfigur. Nur die Blog-Szene hat keine. Daher dümpeln meines Erachtens die Blogs seit Jahren in Deutschland vor sich hin.

Ich frage mich wirklich, warum wir in Deutschland für alles eine Identifikationsfigur brauchen? Haben die Amis denn so jemanden gehabt? In den Kommentaren wurde Seth Godin vorgeschlagen. Aber das halte ich für Unsinn. Seth Godin ist innerhalb der Marketing / Digerati Szene bekannt, aber er ist bei weitem nicht bekannt genug, um die hohe Akzeptanz und Nutzung von Blogs in den USA zu rechtfertigen. Ausserdem: Hatten die Franzosen eine Identifikationsfigur?

Die Blogosphäre in den USA wurde meiner Meinung nach sehr stark durch die Vorfälle am 11.9.2001 geprägt. Damals haben einige Blogs die regulären Medien ersetzt, weil deren Websites einfach vor lauter Traffic zusammengebrochen sind. Ähnlich wie Spiegel Online damals bei uns. Ein paar Blogs haben es geschafft, als Quelle für News weiterhin relevant zu bleiben und haben die Blogosphäre dadurch inspiriert. (Das alles ist allerdings nur meine persönliche Meinung auf Basis völlig fragmentierter Beobachtungen.)

Generell gibt es in den USA mMn viel mehr Blogs, die einen gewissen Newscharakter haben und für die Leser eine gewisse Alternative zu den Massenmedien bieten. Denn ich meine nicht nur die üblichen Geek und Tech-News, wie man sie hier viel liest, sondern eine wirklich lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Tagesgeschehen (News oder Gossip, das sei mal dahingestellt). Auch die Wahlkämpfe wurden in den USA sehr viel mehr durch die Blogs begleitet. Und jetzt geht es wieder so los.

Wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, was die Franzosen anders gemacht haben. Aber: neulich hatte ich eine Studie in der Hand, in der deutlich zu sehen war, dass Deutschland im Bereich Blogs deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt hinterher hinkt, im Punkt Foren aber die Nase relativ weit vorn hat. Wir sind anscheinend ein Land der Foren, wir brauchen den geordneten Diskurs.

Helau!!

(Ach nein, das war ja schon vorbei!)

(via Blogbote)

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2 Kommentare

  1. Sebastian | Apr 1, 2007 | Reply

    Hallo Roland,

    eine interessante Betrachtung :) Ich versuche immer noch eine Person bzw. ein Blog (oder lass es eine Hand voll sein) zu finden, die sich für sowas anbietet. Jemand, auf den verwiesen werden kann und für nicht Englisch sprechende Menschen als Beispiel taugen könnte.

    Ich lese gern die Texte von Darren Rowse und Brian Clark über bloggen. Gestern entdeckte ich John Chow Dot Com und vor drei Tagen Steve Pavlina und lange schon lese ich jeden Artikel von Lorelle VanFossen.

    Das ist aber alles Englisch - ich würde meinen Lesern gerne solche Blogs in deutscher Sprache empfehlen, da viele Menschen des Englischen nicht sonderlich mächtig sind und nicht so recht wissen, was ein Blog überhaupt ist :(

    Das würde zu mehr Blogs führen und die Blogosphäre warscheinlich bereichern. Ich kenne etliche Internetcracks, die zwar Englisch können, sich aber scheuen, seitenweise Texte in e. zu lesen. Oder Menschen aus der Fernsehbranche und Journalisten, Menschen, die etwas zu erzählen haben, aber die Verwaltung scheuen bzw. nicht wissen wie “einfach” bloggen sein kann.

    Ich glaub, da schreib ich nen Text zu ;)

    VG, Sebastian

  2. Roland | Apr 1, 2007 | Reply

    ja, von der Sorte gibt es leider viel zu wenig auf Deutsch…

1 Trackback(s)

  1. Apr 4, 2007: Foren, ja - aber was ist mit Blogs? | :: blogonspeed ::

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