November 16, 2007

Am Rande einer kleinen (Blogger-) Szene

Wenn man vier Blogbeiträge der letzten 2 Tage zusammen betrachtet, dann ergibt sich ein wahrlich trauriges Bild der Deutschen Blogszene.

Ich fange mal provokativ damit an, dass Robert nach 97 Wochen das Bildblog von Platz 1 der Deutschen Blogcharts verdrängt hat. (Respekt dafür, übrigens!). Dennoch verdient Robert lediglich € 3.500,- pro Monat. Das ist wahrlich nicht viel, im internationalen Vergleich zumindest, wo über 100 Blogger mehr als das verdienen. Und immerhin 67 Blogger verdienen mehr als $15.000,- pro Monat. Ich möchte nicht falsch verstanden werden - €3.500,- ist eine Menge Geld und ich wäre froh, so viel zu verdienen - in den meisten Monaten verdiene ich nicht ein 1.000stel davon mit diesem Blog.

Nur befindet sich mein Blog gaaaaanz weit unten im Long Tail, während Robert eben Deutschlands Topblogger ist. Besser gehts nicht, in Deutschland. Daher ist die Tatsache, dass er “nur” €3.500,- verdient, traurig. Nicht so sehr für ihn, er wird seinen Kindern hoffentlich was schönes zu Weihnachten davon kaufen. Aber für die Deutsche Bloggerszene ist das traurig (immer unter der Annahme, dass das eine Art Obergrenze für Otto-Normal-Blogger ist).

Ja klar, bei dem Ranking von Deutsche Blogcharts geht es nicht um Einnahmen. Es kann sein, dass es etwas weiter unten im Longtail Blogs mit weniger Verlinkungen und Besuchern gibt, die aber höhere Einnahmen aufweisen. Mag sein, mag sogar sehr gut sein. Dennoch ernüchtert das.

Was mich zusätzlich noch ernüchtert hat, ist die Aussage von Dirk Olbertz und Jens Schröder vom Blogcensus Projekt, dass es in Deutschland überhaupt nur ca. 133.300 Blogs gibt, die in den letzten 2 Monaten aktiv waren. Damit ist die Deutsche Bloggerszene wahrscheinlich sogar kleiner als die Deutsche Bewohnerschaft der 3-Dimensionalen virtuellen Blase namens Second Life (in April 2007). Vielleicht passt die gesamte wöchentlich aktive Deutsche Bloggerszene wirklich in eine Eckneipe.

Read/writeweb erwähnt hier, dass viele Blogger, die aus rein privaten Gründen bloggen, in Zukunft andere Plattformen (Social Networks wie Facebook oder Microblogging wie Twitter) dafür entdecken werden, ihren Bekanntenkreis über die zuletzt konsumierten Kaffeemischungen zu informieren. Da frage ich mich wirklich, ob die Deutsche Bloggerszene (Blogosphäre) jemals wirklich groß werden wird?

Zu guter Letzt: Wie so viele frage ich mich natürlich auch immer wieder, woran das liegen kann? Warum bloggen die Deutschen nicht? Macht doch Spass. Oder?

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8 Kommentare

  1. Uwe Werner | Nov 17, 2007 | Reply

    Im Gegensatz zu anderen Ländern ist das Bloggen in Deutschland lange Zeit von den Medien totgeschwiegen oder runtergeschrieben worden. Wahrscheinlich wollte man aus den Fehlern in den USA lernen,wo die Medien die Blogger erst stark gemacht haben. Stellt man heute eine kleine spontane Umfrage auf der Straße zusammen, wissen schätzungsweise immer noch 90% aller befragten gar nicht erst,was ein Weblog sein soll. Wer es nicht kennt, kann es nicht nutzen und worüber kaum und bisher nur am rande berichtet wird, das wird auch nie breiten Zugang bekommen.

  2. Roland Hachmann | Nov 19, 2007 | Reply

    Da wirst Du wohl leider recht haben, Blogs sind in Deutschland leider wirklich nicht sehr bekannt…

  3. Andrea | Nov 19, 2007 | Reply

    Ach, die Zeit wird es zeigen, ob das deutschsprachige Netz noch weitere Blogbabies hervorbringen wird. Bin selbst immer wieder verblüfft, wieviele meine Blog-Nische abgrasen. Blogs sind wunderbare Instrumente, um sich digital Gehör zu verschaffen.
    In diesem Sinne: Erhellendes Bloglauschen

  4. Roland Hachmann | Nov 20, 2007 | Reply

    danke, danke! Macht ja auch Spass. Quantität ist nicht immer sooo wichtig, oder?

  5. Thomas | Nov 22, 2007 | Reply

    @ Roland: da hast du wohl recht, die Wahrscheinlichkeit, auf 133.000 Blogs was Sinnvolles zu finden, ist ja schon gering, bei 1.3 Mio wird der Anteil von Berichten über “konsumierte Kaffeemischungen” aber doch eher noch steigen…

  6. Roland Hachmann | Nov 23, 2007 | Reply

    Hi Thomas,

    da es ja nun Services wie Twitter gibt, sollte das Thema “Kaffeemischungen” in Blogs nicht mehr so oft vorkommen. Ich geb Dir recht, eine steigende Quantität wird sicherlich auch die Zahl der qualitativ geringerwertigen Blogs erhöhen. Sehr viel stärker noch als die Zahl der qualitativ hochwertigen Blogs - wenn man mal an ein übliches Pyramidenmodell denkt. Aber es würde eben netto dennoch sehr viel mehr qualitativ hochwertige Blogs geben. Die Pyramide wäre auch an der Spitze breiter - und vielleicht wäre sie sogar höher.

  7. Siggi | Mrz 15, 2008 | Reply

    Ja,die Blogger-Szene kann hierzulande wirklich nicht so aktiv sein, wie man sich das manchmal erhofft. Ich habe vor 3-4 Wochen auch mal einen Anfang gewagt, weil es mein Sohn ganz gut hinbekommen hat, einen guten Blogg zu erstellen. ( Er ist 15 Jahre alt und bewegt sich so auf Platz 67 in der Blooger-Rankliste ) Ich schreibe gerne über erlebtes ( was mit Autos zu tun hat )und möchte weiterhin über VAG Fahrzeuge schreiben. Aber bis auf 2 !! Leser hat keiner einen Coment abgegeben. Wie kann man den mal ein bißchen Schwung in den Laden bringen? Ich möchte mal ein paar Leute finden, denen es genauso ergeht. Übrigens mein Blogg heißt Car-runner. Schaut doch mal rein und schreibt mir mal eure Meinung, damit ich mich noch verbessern kann !!
    Gruß SIGGI

  8. Roland Hachmann | Mrz 16, 2008 | Reply

    hi Siggi,

    es gibt ein paar Blogger, die Tipps abgegeben haben, wie man sein Blog in Schwung bringt, z.B. unter dieser URL:
    http://sw-guide.de/webdienste-blogging/wie-starte-ich-ein-blog-und-mache-dieses-bekannt/
    Ansonsten Yannick fragen, der kann bestimmt ein paar Tipps geben ;)
    Auch solltest Du beachten, dass Blogs immer erst ein wenig Anschubzeit brauchen. 3-4 Wochen ist da noch keine lange Zeit!

3 Trackback(s)

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  2. Jan 25, 2008: thomas lamsfuß » Blog Archive » Vermarktungschancen deutscher Blogs
  3. Jan 26, 2008: Blogger übers bloggen, mal wieder. | Netzfischer.EU

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