Blogrundschau

Netzfundstücke und Lesetipps zum Wochenende, KW 5

Lesenswerte Newsfundstücke der letzten Tage:

Apple darf das iPad 3G und ältere iPhones in Deutschland nicht mehr verkaufen. Grund ist ein Patentstreit mit Motorola.

Ein Artikel in der Welt über die Plattform niriu.de, die das Zusammenleben in den Stadtteilen fördern will. Die Plattform wurde in Hamburg gestartet, wird aber sicherlich bald in andere Städte ausgerollt.

Es geht mal wieder die Angst vor einer neuen Internetblase um, schreibt der Tagesspiegel. Auslöser für die Debatte ist natürlich der geplante Börsengang von Facebook.

Kai Thrun äußert eine gewiße Beunruhigung über das Versagen der Medien. Zurecht, wie ich finde!

Heveling hat Recht, schreibt Nico Lumma. Damit beschreibt er die Reaktion, die die Zielgruppe von Heveling vermutlich hatte. Und dass sich diese Zielgruppe eh nicht für die Wellen interessiert, die Hevelings Kommentar im Web geschlagen hat. Hier ist übrigens mein Senf dazu.

Was ist ACTA? Wer das bis jetzt immer noch nicht weiß, sollte diesen Beitrag von Bruno Kamm dazu lesen! Denn hier geht es um die Aushebelung von Bürgerrechten zu Gunsten einiger Unternehmen der Contentindustrie.

Das Wall Street Journal beschreibt die 3 wichtigsten Technologie Meta-Trends der nächsten Jahre (gefunden bei neunetz.de)

 

Blogrundschau zur re:publica 2011 – Meinungen aus dem Netz.

Meinen eigenen Bericht habe ich gestern Abend bereits verfasst. Mittlerweile finde ich jedoch weitere positive und negative – naja, eigentlich fast ausschliesslich negative – Berichte im Web, hier ein paar Beispiele:

(Inzwischen inkl. einiger Updates, Stand Sonntag, 13:35h. Diese Liste werde ich kontinuierlich erweitern, wenn ich neue Beiträge finde)

Was sich durch viele Kritiken durchzieht:

  • Die Kalkscheune, bzw. das gesamte räumliche Setup war zu klein und verwinkelt für die mittlerweile stark angewachsene Zahl an Besuchern (ca. 3.000). Die Sessionplanung teilweise ungünstig, interessante Vorträge fanden in zu kleinen Räumlichkeiten statt.
  • Die mangelhafte Netzabdeckung durch WLAN hat viele erzürnt (angeblich schaffen es die Veranstalter der SXSW, ein WLAN für die 10fache Zahl an Besuchern aufzusetzen).
  • Sehr durchwachsene Qualität an Sessions. Insbesondere die Auftakt Session “Design Thinking” wurde kritisiert, es gab keine Killerkeynote. Gunther Dueck und Sascha Lobo, aber auch Julia Probst mit ihren Ausführungen zur Gebärdensprache.

So schlecht, wie einige Kritiker sich über die re:publica äußern, fand ich das alles nicht. Wenn man sich die Kritiken durchliest, dann hatte vieles sicherlich mit nicht erfüllten Erwartungen zu tun.

Bei 3.000 Leuten ist es aber unmöglich, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Abgesehen von einigen sich durch alle Kritiken durchziehenden Themen stammten viele Kritikpunkte eher aus der eigenen Enttäuschung.

Vielleicht sind die Organisatoren gut beraten, im Rahmen der Planung der re:publica 2012 durch eine Online Umfrage die wichtigsten Kritikpunkte zu ermitteln.

Eine neue Location soll es ja angeblich geben, wie in zwei der Beiträgen steht. Da bin ich mal gespannt.

Urlaubsnotizen aus Vietnam.

Es war die letzten Wochen relativ ruhig in diesem Blog, und ich fürchte es wird die nächsten 3 Wochen nicht viel besser.

Der Grund? Ich werde für die nächsten 3 Wochen in Südostasien Urlaub machen, genauer gesagt in Thailand und Vietnam. Alles was man von mir im Web die nächsten Wochen lesen wird, sind lediglich ein paar Urlaubsnotizen.

Verwirrung um den Jugendmedienschutzstaatsvertrag

Nur in Deutschland! Nur in Deutschland hat man eine Verordnung, deren Name so lang ist, dass man ihn kaum aussprechen kann.

Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV)

Nur in Deutschland hat man solch eine verwirrende Verordnung. Denn was dahinter steckt, ist ebenso wenig verständlich. Das zeigen diverse Diskussionen in Blogs, Foren, etc.

Dabei diskutieren nicht nur selbsterlauchte Experten (Blogger), sondern auch Rechtsanwälte. Die wiederum sind sich allerdings ebenfalls nicht einig.

Die Waffen einer Online Petition sind schnell gezückt, und so gibt es bereits eine Site, auf der man sich eintragen kann, wenn man dafür ist, dass das JMStV abgeschafft wird. Es sind erst etwas über 1.000 Einträge, aber ich bin mir sicher, dass es schnell mehr werden.

Was ist also die logische Konsequenz? Blog abschalten? “Sendezeiten” einführen? Alles riskieren?

Ist das JMStV überhaupt wirkungsvoll? Das Internet hat ja keine Grenzen. Jeder könnte ein anonymes Blog auf einem internationalen Server einrichten und weiter auf Deutsch blgogen. Ein Blog außerhalb des Deutschen Rechtsraumes, kinderleicht erreichbar.

Ich werde dieses Blog erst mal weiterführen und schauen, ob die Diskussion in die eine oder andere Richtung ausschlägt.

Google Streetview vs Sightwalk.de

Die Deutschen regen sich auf über Google Streetview und merken nicht, dass es die ganze Zeit schon Sightwalk gibt, was ganz ähnlich funktioniert. Basis scheint Open Street Map zu sein. Die 360°-Fotos sind in Flash eingebunden, fühlen sich aber an wie Quicktime VR, was es schon relativ lange gibt. Die Gesichter der Personen auf den Fotos sind – zumindest in den Beispielen, die ich gesehen habe – alle unkenntlich gemacht worden (nach einem Klick auf das Foto unten kann man das besser sehen). Somit sollte das den Anforderungen, die auch an Google gestellt werden, genügen.

(Hier ein Ausschnitt von der Mönkebergstrasse in Hamburg)

Auf Twitter war das heute ein viel zitiertes Thema. Warum beschweren sich die Streetview Kritiker nicht auch über Sightwalk? Eigentlich logisch: Vermutlich konnte Sightwalk (bis heute) einfach unter der Wahrnehmungsgrenze agieren, das ist jetzt aber vorbei. Ich bin sehr gespannt, ob Sightwalk jetzt auch unter die Räder kommt, oder ob sich der Zorn der Datenschützer auch über Sightwalk ergiesst.

Meine persönliche Meinung? Ich finde die Sorge der Datenschützer albern. Es gibt sicherlich grenzwertige Fälle, in denen Personen sich in Situationen ertappt fühlen, die sie nicht publik gemacht sehen wollen. Oder Hausbesitzer, die es nicht schätzen, dass ein Google Streetview Auto mit der über 2m hohen Kamera eine Sicht in ihren Vordergarten hat, die kein normaler Passant hätte.

Aber von diesen (wahrscheinlich eher wenigen) Fällen abgesehen, ist der Vorteil für die Mehrheit der Internetnutzer von viel größerem Wert. Warum kann man keine Lösung anstreben, in der einige Personen und Vordergärten unkenntlich gemacht werden, sodass der Rest wenigstenst für die überwiegende Allgemeinheit nutzbar bleibt?

Der Mehrwert der aktuellen “Beziehungsinflation”

Eine interessante Diskussion zwischen Thomas Knüwer und Umair Hague – der dieser Diskussion vermutlich nicht folgen kann, denn Herr Knüwer schreibt ja auf Deutsch.

Wie viele Facebook Freunde habt ihr? Mehr als 130 (denn dass ist der Durchschnitt)? Kennt ihr alle persönlich, sind das wirklich Freunde? Oder auch (Ex-) Kollegen, alte, fast vergessene Schulkameraden – und dann noch der nervige Typ von der Party neulich, den ihr nicht ablehnen könnt, weil er gut mit eurem besten Freund befreundet ist (der wiederum noch gar kein Facebook Profil hat)?

Dazu noch Follower auf Twitter, Kontakte auf YouTube, MySpace, Xing, Linkedin – es gibt ja fast keine Grenzen, wie viele Freundeskreisnetzwerke man sich aufbauen kann. Auch wenn die Kontaktlisten teilweise überlappen.

Die Frage, die jetzt an einigen Orten im Web gestellt wird, ist die nach der Qualität dieser Kontakte. Umair Haque nennt das eine Relationshop Inflation, was ich einen sehr schönen Ausdruck dafür finde:

Today, “social” media is trading in low-quality connections — linkages that are unlikely to yield meaningful, lasting relationships. Call it relationship inflation. Nominally, you have a lot more relationships — but in reality, few, if any, are actually valuable. Just as currency inflation debases money, so social inflation debases relationships. The very word “relationship” is being cheapened. It used to mean someone you could count on. Today, it means someone you can swap bits with. (Umair Haque – the social media bubble.)

Das klingt erstmal so, als wäre das ein Drama. Wäre es ja auch, wenn es um alle Beziehungen ginge.

In einer Welt Kompakt Werbung wurde das sehr schön ausgedrückt: “Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.” Das ist natürlich verkehrt herum gedacht. Aber im Prinzip stimmt es.

Unser Beziehungssystem ändert sich. Die engen Freunde werden immer bleiben, die sollten wir auch weiterhin so nennen und die Beziehungen (offline!) pflegen. Wer diese Freunde von den im Folgenden genannten nicht trennen kann, der sollte sein “Social Media” besser ganz abschalten.

Dazu kommen all die lockeren Bekannten, die man nur 1x pro Jahr auf Parties oder Konferenzen und Barcamps sieht, mit denen man ab und zu mal zusammenarbeitet, etc. Kontakte, die man vor 15 Jahren noch nicht richtig pflegen konnte, weil die Beziehung zu lose für einen konstanten “Ping” in Form kurzer Messages, Anstubsen/gruscheln, “gefällt mir”s und ähnlichen “hallo ich bin noch da” Bekundungen war. Kontakte, die heute und in Zukunft aufgrund dieser neuen Möglichkeiten das Leben bereichern werden.

Denn da bin ich ganz bei Herrn Knüwer, der beschreibt, wie diese lockeren Kontakte dennoch in der Offline Welt relevant werden können:

Denn auch schwache Verbindungen können dafür sorgen, dass Menschen füreinander etwas tun. Das kann bei schnöder Unterhaltung anfangen: Man ist in einer Stadt und schaut mal, wen man dort auch nur flüchtig kennt. Ergebnis: ein Abend Zerstreuung. Informationen lassen sich auch leichter beschaffen: Wer ein Problem hat, findet via Twitter oft Hilfe. Die neuen Verbindungen verändern etwas. Wir sind bereit, uns aktivieren zu lassen. Wir setzen uns ein für Menschen, denen wir uns aus welchen Gründen auch immer nahe fühlen.

Selbst wenn das nicht klappt: Ich habe zur Zeit etwas über 530 Kontakte auf Facebook, ein paar meiner engsten Freunde sind noch nicht mal dabei, weil sie Facebook verweigern. Aber bei diesen 530 Kontakten sind ganz viele Ex-Kollegen, alte Schulkameraden, Studienkollegen, etc. dabei, von denen ich einfach gerne hin und wieder lese, was sie zur Zeit bewegt.

(Und wenn ich nach 10 Jahren mal wieder nach Schottland zurückfahre, dann kann ich meine alten Studienkollegen dort relativ schnell wieder aktivieren, weil ich die Jahre über einen konstanten “Ping” mit ihnen hatte.)

Ab nach Thailand.

Endlich Urlaub! Der erste längere Urlaub seit September 2008! Es geht wieder in die Ferne, dieses mal in die östliche Hemisphäre – nach Asien, Thailand genauer gesagt. Wie schon während meines letzten Urlaubs an der Westküste der USA werde ich auch dieses Mal wieder ein Reisetagebuch unter www.urlaubsnotizen.de führen.

Da ich nicht sicher bin, wo ich in Thailand unterwegs sein werde, kann ich auch noch nicht abschätzen, wie oft ich Internetzugang haben werde. Es sollte mir jedoch mindestens möglich sein, alle paar Tage etwas zu schreiben, hoffe ich.

Viel Spaß beim virtuellen Mitreisen!

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